Die Christian Bener-Dalp-Stiftung, die seit 1980 die Altersiedlung Kantengut in Chur betreibt, hat einen Projektwettbewerb im offenen Verfahren für die Sanierung und Erweiterung der Alterssiedlung ausgeschrieben. Am Donnerstag, 8. Juni hat die Jury die Bewertung abgeschlossen und die eingereichten Projekte rangiert und die Preise verteilt.
Ausgangslage
Auf dem Areal Kantengut befindet sich ein Pflegeheim mit 52 Betten, ein grosser Teil davon in Zweibettzimmern, 2 Wohnbauten mit Alterswohnungen und angeschlossenem Spitex-Dienst. Die Kombination von Alterswohnungen und Pflegeheim hat sich als zukunftsweisendes Modell bewährt.
Die Siedlung zeichnet sich durch eine sehr schöne Lage aus. Die Stiftungsorgane haben schon vor einigen Jahren Vorstellungen entwickelt, um das Angebot den neuen Bedürfnissen anzupassen. Das Pflegeheim aus den 80-er Jahren muss saniert werden, und dabei können die notwendigen Anpassungen vorgenommen werden. Insbesondere handelt es sich um die Umnutzung der Zimmer in Einbettzimmer und um die Umgestaltung der Aufenthalts- und Gemeinschaftsräume, um mehr Wohncharakter zu erzielen. Darüber hinaus will die Stiftung auch der grossen Nachfrage nach betreutem Wohnen entsprechen und plant deshalb, ein neues Wohnhaus zu erstellen.
Warum ein Wettbewerb
Umbau und Erweiterung des bestehenden Pflegeheims, die Erstellung von Neubauten mit Alterswohnungen, die energietechnische Sanierung der bestehenden Bauten, all das bedeutet einen entscheidenden Eingriff in die bestehende Anlage. Dazu kommt, dass die städtebaulichen Randbedingungen in den letzten Jahren entscheidende Veränderungen erfahren haben. Das betrifft einerseits die sich abzeichnenden Änderungen in der Verkehrsführung, andererseits auch die vorgesehene Erschliessung des Areals im Norden der bestehenden Siedlung als Wohngebiet. Wenn die Bauten nach den Vorstellungen der Stiftung realisiert werden sollen, setzt das einen sorgfältigen Umgang mit dem ganzen Areal und seiner Umgebung und mit den bestehenden Anlagen voraus. Die Trägerschaft hat den Wettbewerb nicht in erster Linie durchgeführt, weil der Kanton als Subvenient für das Pflegeheim das vorschreibt.
Sie war schon vom Anfang an gewillt, das Gesamtvorhaben zum Wettbewerbsgegenstand zu machen. Die geplante Erweiterung bezieht nämlich auch die städtische Bauparzelle im nordwestlichen Bereich des Kantenguts ein, die man uns im Baurecht zu überlassen versprochen hat. Es ist einsichtig, dass durch die Neugestaltung eines solch grossen Areals Zeichen gesetzt werden können. Die Stiftung möchte die richtigen Zeichen setzen, um die Verantwortung gegenüber den zukünftigen Klienten, den Bewohnerinnen und Bewohnern wahrzunehmen, aber auch um die Chance nicht zu vergeben, einen städtebauchlich gesehen positiven Beitrag leisten zu können.
Die Jurierung
Nach Abschluss der Jurierung dürfen wir feststellen, dass wir unsere Ziele sehr gut erreicht haben. Es gelang uns, eine Jury aus Fachleuten aus der Architektur und aus dem Betrieb zusammenzustellen, wobei wir Fachleute aus Chur und aus anderen Kantonen für die anspruchsvolle Aufgabe gewinnen konnten.
Das Preisgericht tagte unter dem Vorsitz des Obmanns, Herr Markus Dünner, Kantonsbaumeister, am 1. und 2. Juni und schloss die Arbeit am 8. Juni ab. Sie hatte über 23 Projekte zu befinden. Das heisst, dass nur gut ein Drittel von all denen, welche bei uns die Unterlagen angefordert hatten, dazu gekommen sind, ein Projekt einzureichen. Das mag aufzeigen, wie komplex die Aufgabe war. Im Zentrum stand die Gestaltung eines renovierten und angepassten Pflegeheims, wozu die Auflagen sehr anforderungsreich waren. Dazu war auch noch verlangt, dass man die Wohnbauten in ansprechender Qualität auf dem Areal anordne, ohne die Umgebungsqualität zu beeinträchtigen. Das alles zusammen erwies sich als eine grosse Herausforderung.
Einige der Teilnehmer stammen aus Chur und aus dem Kanton, zu einem grossen Teil kommen sie aus anderen Kantonen und vereinzelt sogar aus dem Ausland.
Am letzten Donnerstag wurden die Projekte rangiert und 6 davon mit einem Preis bedacht.
Im ersten Rang sieht die Jury das Projekt SERPENTIN (Birchmeier Uhlmann Arch. Zürich).
Das Siegerprojekt behält das Pflegeheim als Haupt- und Eingangsbau an der Scalärastrasse bei. Die Verfasser erweitern den bestehenden Bau um einen Flügel gegen Norden. Dabei wird die Formensprache der bestehenden Bauten aufgenommen, wobei aber zugleich eine neue Gesamtform entsteht. Durch zurückhaltende Eingriffe ergeben sich im Pflegetrakt erfreuliche Verbesserungen der Wohnqualität. Als erfreulich erachtet die Trägerschaft auch die Tatsache, dass die parkartige Anlage, welche das Kantengut charakterisiert, praktisch ganz erhalten werden kann.
Die folgenden Projekte werden mit einem Preis ausgezeichnet:
2. vico - Allemann Bauer Eigenmann, Zürich
3. TROIKA - Schaufelbühl Ruf Arch. Chur
4. Voglio vedere le mie montagne - Dominik Isler, Zürich
5. PRADA - Giubbini + Partner, Bonaduz
6. fides - Thomas Gebert, St. Gallen
Bilanz
Die Trägerschaft dankt allen, welche die Durchführung des Wettbewerbs ermöglicht haben, den Juroren unter der Leitung von Herrn Markus Dünner, Herrn Urs Schneider vom Büro STW, aber besonders auch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Wettbewerbs für die anregenden und wertvollen Beiträge. Diese Beiträge haben der Trägerschaft sehr geholfen, Lösungswege für die Umsetzung des Umbau- und Erweiterungsprojekts zu finden.
Die Projekte werden in der Postremise an der Fontanastrasse ausgestellt.
Für die Alterssiedlung Kantengut
Präsident der Christian Bener-Dalp Stiftung
Cristian Collenberg